Gedanken aus dem Homeoffice

Herausforderungen durch ein verändertes Arbeiten

Sozialkontakte möglichst vermeiden und in den eigenen vier Wänden bleiben – diese Strategie zur Eindämmung der Corona-Pandemie hat weitreichende Auswirkungen auf unser Leben und Arbeiten. Im Job ist plötzlich für viele Homeoffice angesagt, auch die Mitarbeiter*innen der Jugendbildungsstätten bilden hier keine Ausnahme. Welche Herausforderungen das mit sich bringt, dazu hat sich Manuela Koch aus unserer JuBi Neukirchen Gedanken gemacht.

Diese Zeit ist besonders und herausfordernd. Während ich bisher eher der Typ war, die Gedanken an die Arbeit mit dem Schließen der Bürotür ebenfalls abzuschließen, um in meiner Freizeit auch wirklich frei zu haben, findet mein Arbeitsleben nun zuhause am Esszimmertisch statt.

Manuela hat ihren Esstisch zum Schreibtisch umfunktioniert

Das wirkt sich aus – auf den Arbeitsalltag, aber auch auf die freie Zeit. Und es erfordert Disziplin. Disziplin, bei allen Ablenkungen im außen konzentriert bei der Arbeit zu bleiben. Aber auch Disziplin, nicht nach getaner Arbeit nicht doch noch mal nach den neuesten E-Mails zu schauen. Hat sich das Problem der Kollegin lösen lassen? Ich habe ja nicht wie üblich Zugriff auf all meine Daten, um schnell nachschauen zu können. Der Gedanke hängt mir nach, und eigentlich könnte ich ja doch nochmal schnell nach der Antwort spitzen, zumal die freie Zeit sowieso nicht mehr mit den üblichen Freizeitaktivitäten gefüllt werden kann.

Disziplin ist also angesagt. Auch was meine Gedankengänge im Allgemeinen angeht. Die Nachrichten sind – und das häufiger als üblich – schon eher negativer Art. Mein Vorhaben, wieder öfter schwimmen zu gehen, ist mal wieder aufgeschoben, nur diesmal nicht von mir selbst, sondern durch die Umstände bedingt. Meine Freunde fehlen mir, genau wie die Besuche bei meiner Oma.

Ehrlich gesagt, habe ich diese Treffen oftmals verschoben, weil dies und das dazwischengekommen ist, weil mein Tag eh schon so verplant war, weil mir gerade nicht danach war, weil… der Gründe gab es viele. Doch niemals zuvor war mir so bewusst wie in diesen Tagen, dass wir tatsächlich nicht alle Zeit der Welt haben, um genau das zu tun: uns zu treffen, Zeit miteinander zu verbringen, einander nahe zu sein. Und niemals zuvor empfand ich diesen Schmerz der Unfreiheit, nicht einfach meinen Tag so zu verbringen, wie ich es gerne möchte.

Was mich hält, ist mein Glaube. Mein Glaube, der mich immer wieder dazu bringt, meinen Blick auf das Positive zu richten. Denn in jeder Situation steckt ein positiver Kern.

Sei es, dass ich das Schwimmen in Zukunft nicht mehr hinausschieben werde, weil ich eben jetzt diesen Drang danach enorm verspüre.
Sei es, den täglichen Spaziergang in der Sonne zu genießen – in dem Bewusstsein, dass es eben nicht „normal“ ist, überall dahin gehen zu dürfen wohin man möchte.
Sei es, meine Oma noch zu haben, das Geschenk ihrer Fürsorge und Liebe auch als Erwachsene noch erhalten zu dürfen.
Sei es, der Kontakt zu meinen Freunden, wenn er auch momentan nur über Telefon und Social Media möglich ist.
Sei es, den Zusammenhalt und die Hilfsbereitschaft in der Gesellschaft wachsen zu sehen.
Und sei es, die Gesundheit, die viele von uns als selbstverständlich ansehen, die aber in diesen Tagen geschützt werden muss wie nie zuvor.

In den Momenten, in denen ich mit mir selbst hadere, unzufrieden und frustriert bin von den Meldungen in den Medien über wieder neue Tote, immer noch leere Toilettenpapier-Regale, über das Unverständnis Corona-Party-feiernder Menschen, über meine eingeschränkte Freiheit – in diesen Momenten finde ich Halt in Gott. Gott, der mir all die großen Geschenke gemacht hat, die für mich normalerweise selbstverständlich sind: Gesundheit, Familie, Freunde. Nie zuvor fand ich eine Jahreslosung zutreffender als jetzt: Ich glaube, hilf mir in meinem Unglauben.

In diesem Sinne – liebe Grüße aus dem Homeoffice und bleibt gesund!

Informationen

Anja Keyser | Leiterin und Jugendbildungsreferentin
Evangelische Jugendbildungsstätte Neukirchen
Am Hag 13
96486 Lautertal

Tel.: 09566.808689 -10
anja.keyser@jubi-neukirchen.de
www.jubi-neukirchen.de