Heute haben wir Henrike Brenk vom Bildungszentrum Don Bosco Benediktbeuern getroffen. Elke Rusch, unsere Referentin für Öffentlichkeitsarbeit hat sie Ende Februar auf der Bildungsreise nach Turin kennen gelernt und war von ihrer offenen, gewinnenden Art gleich so angetan, dass sie euch die Kollegin unbedingt ausführlicher vorstellen wollte. Henrike stammt ursprünglich aus einer Detmolder Musikerfamilie und ist seit einem knappen Jahr Bildungsreferentin in Benediktbeuern.
Henrike, Du hast Soziale Arbeit in Benediktbeuern studiert und anschließend noch den Master „Inklusive Musikpädagogik / Community Music" in Eichstätt gemacht – wie baust du diesen Ansatz heute ganz konkret in deine Bildungsarbeit mit Jugendlichen ein?
Tatsächlich gar nicht so oft im klassischen Sinne. Ich versuche vor allem über gemeinsames Singen immer wieder etwas davon einfließen zu lassen, wenn es thematisch passt. Mein Ziel ist auch, zum Beispiel in der langen Mittagspause am zweiten Tag bei den Orientierungstagen ein offenes Singangebot zu etablieren. Neben den 50 Prozent als Referentin im Bildungszentrum kümmere ich mich mit der anderen Hälfte des Stellenanteils bei den Salesianern im Projekt „Ich bin da" um die Studierenden der Katholischen Stiftungshochschule im Kloster. Da habe ich mit Studierenden, den Freiwilligendienstleistenden des Klosters und Mitarbeitenden einen Chor wiederaufleben lassen: die „Campusspatzen". Musikalisch geleitet wird der Chor von einem Studenten, Jacob Friede, und ich kümmere mich um die Organisation. Start war beim Christkindlmarkt in Benediktbeuern, mittlerweile treffen wir uns regelmäßig zum Singen und haben inzwischen auch schon kleinere Projekte umgesetzt – auch mehrstimmig. Unser Ziel ist dabei nie musikalische Perfektion, sondern der Spaß am gemeinsamen Singen. Generell geht es bei „Ich bin da" um Begegnung, Präsenz und ein offenes Ohr für Studierende – und das vor allem aufsuchend – ich bin also auf dem Campus unterwegs, komme mit Studierenden ins Gespräch und schaue, wo sie gerade stehen.
Da bekommst Du ja sicher so einiges mit. Was geht Jugendlichen aktuell so durch den Kopf? Welche Themen, Sorgen oder Trends begegnen dir in der Jugendarbeit gerade besonders oft?
Bei beiden Zielgruppen – also Studierenden und Schüler:innen – sind es vor allem Entwicklungsaufgaben, die die jungen Menschen sehr beschäftigen: sich organisieren, sich ablösen, Freundschaften finden und gestalten, reinwachsen ins eigene Leben. Bei vielen Studierenden ist außerdem ein großes Thema, mit den Anforderungen des Studiums und auch den eigenen klarzukommen. Aber auch Einsamkeit und psychische Herausforderungen sind sehr präsent. Natürlich spielen auch die positiven Seiten des Student:innenlebens eine Rolle: die Freiheiten genießen, Freundschaften knüpfen und Erfolgserlebnisse feiern.
Bei Schüler:innen geht es – je nach Alter - oft stark um die Frage: Wie soll es nach der Schule weitergehen? Wo will ich hin? Wie bin ich in Beziehungen eingebettet? In einem meiner letzten Kurse mit einer 8. Klasse war kürzlich auch Feminismus ein Thema – mit ganz vielfältigen Perspektiven, weil in dem Alter die Entwicklung der einzelnen Schüler:innen auch so unterschiedlich ist. Das fand ich sehr spannend. Übergreifend merke ich, dass das Wort „Krise" in ganz vielen Formen immer wieder auftaucht.
Musik, Kreativität und Gemeinschaft sind bei euch am Bildungszentrum zentral: Warum sind solche „kreativen Räume" für junge Menschen heute so wichtig?
Ich glaube, es ist wichtig, Räume zu haben, in denen sie sich ausprobieren können – wo es nicht um Leistung geht. Junge Menschen können dort erleben, wie sie selbst gestalten und mitgestalten können, ohne Bewertung und ohne Druck. Diese Freiräume ermutigen, man selbst zu sein. Und genauso wichtig sind Zuhör-Räume – also Orte, an denen man wirklich gehört wird. Ich finde, Musik ist dafür zum Beispiel ein guter Weg. Über Musik kann man Verschiedenartigkeit ausdrücken, Emotionen zeigen und gleichzeitig zuhören üben. Und man kann erleben: Ich bin gut und wertvoll, wie ich bin.
Du spielst leidenschaftlich Ukulele – das durfte ich selbst auf einer Busfahrt bei unser Bildungsreise erleben ???? Wie bist Du zur Ukulele gekommen und kommt das Instrument auch in deiner Arbeit mit Jugendlichen zum Einsatz?
Ich spiele ehrlich gesagt gar nicht so oft Ukulele – eigentlich eher Gitarre oder auch Geige, und ich singe gerne und viel. Die Ukulele hat im Studium so einen Push bekommen, weil sie einfach leichter mitzunehmen ist. Außerdem ist sie super niederschwellig einsetzbar – man kann schnell gemeinsam musizieren.
Wenn du an deine bisherigen Erlebnisse mit Jugendlichen denkst: Gibt es einen Moment oder ein Projekt, das dir besonders im Kopf geblieben ist? Vielleicht etwas Überraschendes oder Lustiges?
Da gibt es viele kleine Momente. Ein Beispiel ist eigentlich gar nichts Großes, aber ein sehr starkes Bild für Kreativität: Damals war ich noch Honorarkraft und eine Gruppe von Schüler:innen hat ein langes Stück Baumstamm in den Seminarraum geschleppt. Danach haben alle gemeinsam daran gearbeitet, ihn mit sehr viel Einsatz und Kreativität zu gestalten – inklusive ihrer Namen, die sie darin verewigt haben. Das ist mir sehr im Gedächtnis geblieben, weil alle ihren Platz hatten. Auch bei Abschlussfeiern von Orientierungstagen entstehen oft solche Momente: Selbst gestaltete Beiträge, in denen richtig tolle Ideen der Schüler:innen auftauchen.
Und dann gab es auch eine Situation, in der ein Schüler, der anfangs eher belächelt wurde, eine Schuhplattlereinlage gemacht hat und am Ende wurde er richtig dafür gefeiert, weil er sich getraut hat und weil er es richtig gut gemacht hat, was viele aus der Klasse vielleicht nicht erwartet hätten – das sind echte Gänsehaut-Momente.
Was würdest du jungen Menschen mitgeben, die sich selbst in der Jugendarbeit engagieren möchten?
Ich glaube, Jugendarbeit kann unglaublich viel zurückgeben. Wenn man etwas Sinnstiftendes macht, bekommt man selbst sehr viel zurück – aus dem, was man tut, aber vor allem auch aus der Gemeinschaft. Vor allem junge Menschen haben dort die Möglichkeit, sich auszuprobieren und auch Grenzen kennen zu lernen. Man kann dabei selbst wachsen und erlebt, dass Engagement nicht nur Arbeit ist, sondern auch etwas, das einen persönlich verändert!
Liebe Henrike, vielen Dank für das schöne Gespräch!
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