Gesichter der JuBis: Dieter Vatter und Rainer Fleischmann

Burgen sind einfach imposante Bauwerke. Dazu kommt ihre oft einzigartige und exponierte Lage – klar, wurden sie doch von den damaligen Herrschern stets an strategisch wichtigen Punkten errichtet. Unsere JuBi Burg Hoheneck ist ein Paradebeispiel für solch eine großartige Baukunst, sie thront majestätisch oberhalb von Ipsheim, hoch über dem Aischtal. Seit unserem Interview für „Gesichter der JuBis“ wissen wir außerdem, dass ein solch altehrwürdigen Gemäuer nicht nur jede Menge Geschichte(n) erzählt, sondern auch viele spannende Aufgaben bereithält. Wie groß die Bandbreite wirklich ist, haben wir von Dieter Vatter und Rainer Fleischmann erfahren.

Hallo ihr beiden, ihr seid Hausmeister auf der Burg Hoheneck – was gehört denn alles zu eurem Aufgabenbereich?
Dieter:
Wo fange ich an? Da sind zunächst einmal die anfallenden Reparaturen zu nennen, sowie die Koordination der Handwerker. Dann alles, was mit Ver- und Entsorgung zu tun hat, wir besorgen also den Wäschenachschub zum Bettenbeziehen genauso wie die Einkäufe für die Küche, da ja aufgrund der Lage der Burg keine Geschäfte in unmittelbarer Nähe sind. Wir sind der Shuttledienst für kleinere Gruppen oder transportieren zumindest das Gepäck zur Burg hinauf. Wir sorgen dafür, dass die Seminarräume richtig bestuhlt und Hecken, Wein und Efeu auf dem Außengelände gestutzt sind, pflegen Holzkegelbahn, Fußball- und Volleyballplatz und kümmern uns um das kleine Waldstück. Wir sorgen für Holznachschub für Pizzaofen und Lagerfeuer und wenn es im Obstgarten an die Apfelernte geht, packen wir schon mal die alte Obstpresse aus. Während im Sommer Rasenmähen angesagt ist, steht im Winter Schneeräumen auf dem Programm und dann betreiben wir noch den Kiosk, der drei Mal täglich geöffnet hat und die Besucher*innen von Getränken bis Zahnpasta mit allem Notwendigen versorgt. Es gibt also viel zu tun, und an den Tagen an denen weniger los ist, wird der Dienstplan gemacht.

Das klingt nach Aufgaben für eine ganze Armada an Hausmeistern, wie groß ist denn das Team?
Dieter:
Der Stellenplan sieht einen festangestellten Hausmeister vor, der unterstützt wird von einem Hausmeisterhelfer und zwei Bufdis. Rainer und ich arbeiten nur noch bis Januar gemeinsam auf der Burg – dann gehe ich in Ruhestand und er ist mein Nachfolger.

Wie lange bist Du dann schon auf der Burg Hoheneck, Dieter?
Dieter:
Seit mittlerweile 10 Jahren. Die Burg und die pädagogische Arbeit hier ist mir allerdings schon länger ein Begriff, denn ich wohne in der Nähe und habe ab und zu auch als Aushilfe auf der Burg gearbeitet. Als dann mein Vorgänger gesundheitsbedingt ziemlich unvermittelt aufhören musste, hat mich Lisa Ehm aus dem Pädagogikteam der Burg angesprochen, ob ich mir das nicht vorstellen könnte, Hausmeister der Burg Hoheneck zu werden.

Und Du konntest es Dir vorstellen! Gibt es ein Erlebnis aus deiner Zeit hier, an das Du Dich besonders gern erinnerst?
Dieter:
Oh das sind so viele… ich will es lieber so sagen: die Arbeit auf Burg Hoheneck ist so vielseitig und kurzweilig, das hat mir immer sehr gut gefallen.

Simon, der Leiter der JuBi sagte mir, Du bist eigentlich ein „pädagogischer“ Hausmeister – was meint er damit?
Dieter:
Ich weiß nicht, wie er darauf kommt [lacht]! Nun ja, ich habe hier auch schon Bogenschießen-Seminare geleitet oder wenn es ans Äpfel pressen ging, spontan Jugendliche eingebunden eine pädagogische Aktion daraus gemacht. Mir war immer wichtig, die Jugendlichen bei allen Berührungspunkten ein wenig zu fordern, also sie zum Beispiel selbst ausrechnen zu lassen, wie viel Pfand sie bei der Flaschenabgabe am Kiosk zurückbekommen. Und ich habe ein Pfandsystem mit Glasflaschen eingeführt. Zunächst gab es da einige Bedenken wegen möglicher Verletzungsgefahr, aber ich finde, man darf den jungen Menschen schon auch etwas zutrauen und es tut ihnen letztlich gut, sich von dieser Vollkaskomentalität verabschieden.

… und nun findet Rainer hier dieses von Dir „erweiterte Stellenprofil“ vor 🙂 ! Rainer, wie ist dein erster Eindruck von der Burg und deinem künftigen Wirkungsbereich?
Rainer:
Die Burg ist hier in der Gegend und natürlich auch mir bekannt und auch Dieter kenne ich schon länger, denn wir sind aus derselben Ortschaft. Ich finde es schön hier oben, allerdings war ich doch etwas überrascht, wie umfangreich das Aufgabenspektrum ist. Und ich denke, da wird auch noch das ein oder andere kommen, womit ich zunächst nicht gerechnet hatte.

Wie kam es, dass Du dich hier beworben hast?
Rainer:
Das war eigentlich ähnlich wie bei Dieter. Ich habe vorher im Bereich Orthopädietechnik gearbeitet – in den letzten 10 Jahren vor allem Orthopädietechnik für Kinder – und habe in diesem Zusammenhang schon etwas für die Burg gemacht, witziger Weise sogar im Auftrag von Dieter. So habe ich auch von der Stellenausschreibung erfahren und mich dann beworben, denn ich arbeite sehr gern in einem Umfeld mit Kindern und Jugendlichen.

Was habt ihr jetzt in eurer gemeinsamen Zeit für die Übergabe noch alles geplant?
Rainer:
Da stehen noch vor allem technische Sachen wie etwa die Notstromanlage auf der Agenda und alle Programmabläufe, die man sich nicht einfach anlesen kann sondern einmal gemacht haben muss. Bis Januar verschaffe ich mir einen Überblick, wie die Zahnräder der einzelnen Gewerke hier auf der Burg funktionieren und ineinandergreifen. Und für die Zeit danach weiß ich, dass Dieter mir als Rückfallebene erhalten bleibt, sollte ich einmal alleine wirklich nicht weiterkommen. Das ist sehr beruhigend zu wissen!

Dieter hat uns von seiner pädagogischen „Zusatzqualifikation“ erzählt. Was möchtest Du in die Stelle einbringen und sie gestalten?
Rainer:
Ich habe 20 Jahre in der Rehatechnik hinter mir, und da sind oft kreative Sonderlösungen gefragt, beispielsweise wenn man rasch ein orthopädietechnisches Hilfsmittel reparieren muss. Diese Fähigkeit kann ich hier auf der Burg sicherlich gut gebrauchen. Mit meinem Fachwissen aus diesem Bereich möchte ich die Burg außerdem nach und nach unter die Lupe nehmen und schauen, wie man sie für Menschen mit Behinderung barrierefreier gestalten kann. Es bleibt natürlich immer ein mittelalterliches Bauwerk, aber ich bin mir sicher, dass trotzdem vieles möglich ist.

Vielen Dank für das Interview und alles Gute euch beiden!

Information
Jugendbildungsstätte Burg Hoheneck
91472 Ipsheim
Tel.: 09846 / 97 17-0
E-Mail: info@burg-hoheneck.de
Webseite: www.burg-hoheneck.de